Konzept und Aufgaben

Katholische Büchereiarbeit wird von der Grundüberzeugung getragen, dass Literatur im Menschen etwas bewegen und bewirken kann. Lesen bedeutet mehr als das Aufnehmen von Informationen. Lesefähigkeit ist die Voraussetzung zur Denk- und Sprachfähigkeit und damit auch die Voraussetzung zu einem gelingenden Leben. Daher sind Leseförderung ebenso wie Gespräche über Literatur und über Themen, die zum Leben des Menschen gehören, wesentliche Bestandteile der Büchereiarbeit. Kommunikation spielt in den kirchlichen Büchereien eine wichtige Rolle, ebenso wie personale Nähe und die Erfahrung von Gemeinschaft. Die Begegnung mit Menschen aller Altersgruppen ist für viele Ehrenamtliche das Hauptmotiv für ihr Engagement.

Konzepterstellung

Nicht nur in Zeiten des Umbruchs in Kirche und Gesellschaft ist es wichtig, einen Blick auf die Situation vor Ort zu werfen und sich Gedanken über die Ziele und Hintergründe der eigenen Arbeit zu machen. Ein überzeugendes und leicht kommunizierbares Konzept liefert Argumente, wenn es in Gesprächen mit dem Träger und den Verantwortlichen um die Rahmenbedingungen für die Büchereiarbeit vor Ort geht.

Das Konzept wird gemeinsam von Träger, Büchereiteam und Fachstelle erarbeitet. Es dient als strategisches Instrument: Wer sich mit klaren Positionen als wichtiger Bestandteil der Gemeinde darstellen kann, sichert die Rahmenbedingungen für die praktische Arbeit.

Um das Aufgabenfeld klar zu definieren, ist eine Zielgruppen- und Umfeldanalyse der erste Schritt: Wie sieht das Einzugsgebiet der Bücherei aus? Gibt es Kindergärten, Schulen oder Seniorenheime? Wohnen im Umkreis junge Familien oder eher ältere Menschen? Wie hoch ist der Anteil der Familien mit Migrationshintergrund? (s. auch SINUS-Milieus)

Daraus leiten sich die Aufgaben ab. Mit dem Ziel, alles für alle bieten zu wollen, kann heute keine erfolgreiche Büchereiarbeit mehr geleistet werden. Daher ist der Aufgabenkatalog eng abgestimmt auf die Zielgruppen, die angesprochen werden sollen.

Beispiele:

Leben in einer Gemeinde bzw. einem Stadtteil keine Kinder mehr, gehört die Leseförderung für Kinder nicht zu den Aufgaben der dortigen Bücherei. Leben viele Migranten im Einzugsgebiet, könnte die Sprachförderung ein Schwerpunkt der Büchereiarbeit sein. Nutzen viele Senioren die Bücherei, müssen Bestands- und Raumangebot darauf abgestimmt sein.

Diese und weitere Überlegungen führen zu konkreten Maßnahmen. Sie betreffen u.a. geeignete Öffnungszeiten, passenden Bestandsaufbau und gezielte Veranstaltungsangebote, mögliche Kooperationspartner und wirksame Öffentlichkeitsarbeit in Verbindung mit der Entwicklung einer Corporate Identity (s. Kap. 17 „Öffentlichkeitsarbeit und Werbung“).

Rahmenbedingungen wie Raumausstattung, technische Ausstattung, solide Finanzierung müssen gewährleistet werden. Aber auch die personellen Ressourcen sollen bedacht werden: Was kann das Team leisten? Eine gute Organisation, qualifizierte Mitarbeiterinnen und eine klare Verteilung der Aufgaben im Team, ob haupt- oder ehrenamtlich tätig, sind entscheidende Voraussetzungen für erfolgreiche Büchereiarbeit.

Mit einem immer wieder aktualisierten Konzept können die Katholischen öffentlichen Büchereien die Herausforderungen in Gesellschaft und Kirche erfolgreich meistern. Eine Hilfestellung zur Erarbeitung des Büchereikonzepts bietet das Positionspapier „Qualitätsziele Katholische öffentliche Büchereien“ des Borromäusverein e.V. von September 2009. Auch die Fachstellen unterstützen und beraten dabei.