Büchereieinrichtung

Die Inneneinrichtung der Bücherei ist eine langfristige Investition. Sie sollte daher sorgfältig geplant werden.

Die EDV-gestützte Büchereiverwaltung stellt zum Teil völlig andere Ansprüche an den Büchereiraum als die konventionelle Ausleihverbuchung. Auch hier sind die Fachstellen gerne behilflich.

 

Raumzonen

Es gibt folgende Raumzonen, die unbedingt durch eine entsprechende Beschilderung zu kennzeichnen sind:

Eingangsbereich/Nahbereich mit Garderobe, Leit- und Orientierungssystem, Pinnwand, evtl. Taschenschränken, Schirmständer, Informationstafeln und -ständern mit Broschüren zum Mitnehmen usw. Der Eingangsbereich vermittelt den ersten Eindruck von der Bücherei und sollte daher regelmäßig hinsichtlich seiner Wirkung auf die Besucherinnen überprüft werden.

Abb. 5.11 Ergonomie am Arbeitsplatz

Verbuchungsbereich bei EDV-Ausleihe: Ausleihtheke, Bücherwagen für zurückgekommene Medien, Regal, in dem vorgemerkte Bücher und Reparaturen abgelegt werden können, und abschließbarer Schrank. Der Thekenbereich ist so zu gestalten, dass der Bildschirm, der Rechner und der Drucker ergonomisch aufgestellt sind. Die Theke sollte nicht höher als 76 cm sein, die Tiefe sollte bei mindestens 80 cm liegen. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass der ge- samte Arbeitsplatz den DIN-Normen (insbesondere DIN EN 29241-2 und DIN 5036-8) entspricht. Für den Einsatz von Computern müssen in Thekennähe und gegebenenfalls am Benutzer-PC genügend Steckdosen zur Verfügung stehen. Zur Verbindung der einzelnen Geräte sind Kabelschächte unter der Theke vorzusehen, um Stolperfallen zu vermeiden. Der Arbeitsplatz für die Mitarbeiterinnen ist mit einem Bürostuhl auszustatten.

•  Verbuchungsbereich bei Kartenausleihe: Ausleihtheke, Bücherwagen für zurückgekommene Medien, Regal, in dem vorgemerkte Bücher und Reparaturen abgelegt werden können und abschließbarer Schrank. Als Ausleihtheke sollten spezielle Möbel verwendet werden, z.B. mit tiefergelegten Trögen für die Katalogkarten. Von herkömmlichen Schreibtischen ist aus ergonomischen Gründen abzuraten. Der Arbeitsplatz für die Mitarbeiterinnen ist mit einem Bürostuhl auszustatten.

Abb. 5.12 Verbuchungsbereich bei EDV-Ausleihe
Abb. 5.12.a Recherche-Arbeitsplatz in der Bücherei in Roding

•  OPAC und Internetarbeitsplätze: Hierfür bieten die Bibliothekseinrichtungs- firmen eine Vielzahl an unterschiedlichem Mobiliar an, von Stehpulten bis zu Leserarbeitsplätzen mit entsprechenden Sitzgelegenheiten.

•  Kinderbereich: Die Medien für Kinder und Jugendliche sollten so aufgestellt und präsentiert werden, wie es den Bedürfnissen dieser Zielgruppe entspricht (s. auch Kap. 8 „Gliederung, Kennzeichnung und Aufstellung des Bestandes“). Für Bilderbücher sind entsprechende Tröge in unterschiedlicher Gestaltung möglich (z.B. Lok, Raupe). Kindertische und -stühle bzw. Sitzkissen sowie die Beschriftung und Dekoration (z.B. Mobile) sollten kindgerecht sein. Eine kleine Spielecke mit Bauklötzen, Schaukelpferd, Kuscheltieren, Malwänden usw. ist möglich.

Abb. 5.13
Abb. 5.14


 •  Jugendbereich: Jugendbücher und andere für Jugendliche interessante Medien können gemeinsam präsentiert werden. Es sollte auf die Gewohnheiten der Zielgruppe bei der Raumgestaltung Rücksicht genommen werden, so z.B. durch entsprechende Sitzgelegenheiten (große Bodenkissen, Hängematte), besondere Einrichtungen (Lesezelt) und Dekoration (Poster, Graffiti). Jugendliche können auch bei der Gestaltung beteiligt werden.

•  Roman- und Sachbuchbereich: Die Anordnung der einzelnen Gruppen und die Platzierung in der Bücherei richtet sich nach den Bedürfnissen der Benutzerinnen. Ausreichend Arbeits- bzw. Leseplätze sollten eingerichtet werden. Empfehlenswert sind Sitzgelegenheiten zum Schmökern und Arbeiten und Anlesemöbel. Dabei sollte großer Wert auf eine abwechslungsreiche Gestaltung und gute Raumübersicht gelegt werden.

Nicht-Buch-Medien: Für Zeitschriften, Spiele, CD-ROMs, Blu-ray Discs und andere Non-Books gibt es besondere Möbel und Präsentationselemente.

•  Veranstaltungsbereich: Für kleinere Veranstaltungen, Aktionen und Gesprächskreise sollte in der Bücherei Raum geschaffen werden können. Hierfür eignen sich fahrbare Regale und bewegliches Mobiliar. Als Sitzgelegenheit für Kinder bieten sich kleine Sitzkissen an. Für größere Veranstaltungen können Räume der Gemeinde oder von Kooperationspartnern genutzt werden.

•  Lesezonen: Um die Benutzerinnen zum Verweilen und Schmökern in der Bibliothek einzuladen, sind ansprechende Rückzugsorte und Leseecken notwendig. Je nach Platzangebot können dies z.B. eine gemütliche Couch mit Leselampe, Sitzgruppen aus Stühlen, Sesseln oder Sitzkissen sein.

Abb. 5.15
Abb 5.16



•  Büchereicafé: Bei der Einrichtung ist darauf zu achten, dass sich die Sitz- und Tischmöbel von der anderen Einrichtung abheben. In kleinen Büchereien lässt sich auch durch einen Stehtisch eine Möglichkeit für ein „Mini-Café“ schaffen.

Abb. 5.17 Lesecafé
Abb. 5.18 Mini-Café



•  Arbeitsraum: Für Einbinde- und Reparaturarbeiten, Bestellungen und alle Arten von Verwaltungsaufgaben sollte den Mitarbeiterinnen ein Arbeitsraum zur Verfügung stehen. Als Möblierung empfehlen sich Arbeitstische und entsprechende Schränke. Sollte kein eigener Büroraum zur Verfügung stehen, kann in der Bücherei z.B. durch Doppelregale mit Mittelwand ein Bürobereich eingerichtet werden.

Mobiliar

Die Aufstellung der Regale und der anderen Möbel muss auf die Funktion der Bücherei und auf die Arbeitsabläufe Rücksicht nehmen. Eine optimale Regalaufstellung ermöglicht der Benutzerin eine rasche Orientierung und sorgt für ein Wohlfühl-Klima. Grundsätzlich sind für unterschiedliche Konzepte (z.B. Kinderbücherei, Seniorenbücherei) auch unterschiedliche Möblierungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.

Alle notwendigen Möbel sollten von speziellen Bibliothekseinrichtungsfirmen bezogen werden. Diese gewährleisten die erforderliche Funktionalität und Stabilität. Durch die lange Liefergarantie sind spätere Einrichtungsergänzungen möglich. Außerdem bieten diese Hersteller Präsentationsmöbel, Bilderbuchtröge, EDV-Arbeitsplätze und Thekenmobiliar an. Von Eigenfabrikationen muss abgeraten werden, da hier überwiegend negative und kostspielige Erfahrungen gemacht wurden. Die Fachstellen beraten gerne bei der Auswahl und geben Auskunft über Zuschussmöglichkeiten.

Regale
Die Regale für Erwachsene sollten nicht höher als 200 cm sein (5 oder 6 Fachböden), für Kinder entsprechend niedriger: 150–180 cm (4 oder 5 Fachböden). Die Fachböden sollten eine Tiefe von 25 cm haben und nicht breiter als 100 cm sein. Sie sollten in der Höhe verstellbar und hinten mit einer Buchanschlagleiste versehen sein. Jeder Fachboden muss mindestens mit einer Buchstütze ausgestattet werden.

Die Kapazität der Regale ist abhängig von der Bestandsgruppe. Erfahrungsgemäß können auf einem Fachboden (100 cm breit) untergebracht werden:

Medienart Medien je Fachboden Böden je Regal je laufendem Meter Regal werden untergebracht
Kinder-/Jugendbücher 35 4 140 Bücher
Sachbücher 35 5 175 Bücher
Romane 33 5–6 165–200 Bücher

 

Allerdings sollten im Sinne einer benutzerfreundlichen und attraktiven Aufstellung die Regalböden nur zu ca. zwei Dritteln gefüllt sein. So können einzelne Titel auch frontal präsentiert werden und das Rücksortieren der Bücher fällt leichter.

Für Nicht-Buch-Medien ist die Verwendung von speziellen Möbeln am sinnvollsten (s. Kap. 8 „Gliederung, Kennzeichnung und Aufstellung des Bestandes“). Eine Berechnung ist daher pauschal nicht anzustellen.

Präsentationsmöbel

Wesentlich für die Vermittlung aller Medien sind Präsentationsmöbel. Möbelfirmen bieten u.a. fahrbare Präsentationsmöbel an. Durch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten tragen sie dazu bei, die Bücherei immer wieder aktuell zu gestalten und das Erscheinungsbild zu ändern. Als Präsentationsmöbel können auch andere Objekte genutzt werden, die aus dem Rahmen fallen, z.B. Buchwürfel, Litfaßsäule oder Pappmöbel, die entweder als Zusatzelemente für Regale lieferbar sind oder aber separat aufgestellt werden können.

Abb. 5.19 Präsentation (Nolting)
Abb. 5.20 Stirnseiteblende (Nolting)
Abb 5.21 Gitterwandsystem (Portmann)
Abb 5.22 Fachboden für Nichtbuchmedien (ekz)
Abb 5.23 AV-Medientrog (Schulz-Speyer)
Abb 5.24 Präsentationsmöbel (Schulz Speyer)