Fernleihe bzw. Online-Fernleihe

Angleichung des Urheberrechts - Änderungen in der Fernleihe ab 1.3.2018

Am 1. März 2018 trat das Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft (UrhWissG). Zu diesem Datum werden die meisten der bislang auf Bildung und Wissenschaft bezogenen Normen (Schranken) des Urheberrechts, die die §§ 52a, 52b und 53a durch neue Regelungen ersetzt und gelten zunächst für die kommenden 5 Jahre.

Das Gesetz regelt neu, welche urheberrechtlichen Nutzungshandlungen im Bereich Bildung und Wissenschaft gesetzlich erlaubt sind, ohne dass es einer Zustimmung der Urhebers und sonstiger Rechtsinhaber bedarf. Es geht beispielsweise also um die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Texten, Bildern und Filmen in Schulen, Universitäten und auch in Bibliotheken.

Vor bzw. bei der Bestellung muss sichergestellt werden, dass eine kommerzielle Nutzung (= kein Erwerbszeck) ausgeschlossen ist. Andernfalls können Sie für den Leser keine Bestellung absetzen. Alle Bibliotheken müssen diese Zusicherung durch den Benutzer gleichermaßen zwingend ab 01.03.2018 umsetzen. Die bestellende Bibliothek muss also mit ihrem Benutzer geklärt haben, dass dieser nicht zu kommerziellen Zwecken bestellt. Da viele Bibliotheken eigene Bestellformulare für Fernleihbestellungen haben, sollte sich in diesen Fällen ein solches Häkchenfeld leicht in das Formblatt zusätzlich einfügen lassen.

Folgender Wortlaut zur Selbstauskunft des Nutzers wird vorgeschlagen:

"Ich versichere, dass ich die bestellte/n Kopie/n nicht zu kommerziellen Zwecken verwende."

Derzeit wird juristisch geprüft, in welcher Form diese Zusicherung vorliegen und ggf. dokumentiert werden muss. Bis hier eine eindeutige Klärung vorliegt, sichern Sie sich mit der Unterschrift des bestellenden Nutzers bitte ab und verwahren das unterschriebene Formblatt zunächst auf.

Informationen zur Fernleihe

Die Fernleihe, d.h. der regionale und der überregionale deutsche Leihverkehr, wird durch die „Ordnung des Leihverkehrs in der Bundesrepublik Deutschland – Leihverkehrsordnung – (LVO)“ geregelt
(Red.: geprüft und aktualisiert am 01.03.2018)
.

Über die Möglichkeiten des Leihverkehrs in den jeweiligen Bundesländern bzw. Diözesen informieren die Büchereifachstellen. Sie vermitteln die Anschriften der regional oder örtlich zuständigen Leit- und Ergänzungsbibliotheken und informieren über den Zugang zur Online-Fernleihe sowie über regionale Besonderheiten.

Online-Fernleihe für Büchereien des Sankt Michaelsbund (Stand: 1.3.2018)

Bei der Teilnahme am Leihverkehr ist Folgendes zu beachten. Nicht geliefert wird folgendes:

  • Titel, die mit einem Wert von weniger als 15 Euro lieferbar sind,
  • Nachschlagewerke zur Präsenznutzung,
  • Kinder- und Jugendbücher,
  • Schulbücher sowie Unterhaltungsromane,
  • wertvolle Werke und Loseblattsammlungen.

Bei Kopienlieferungen aus Zeitschriften und Zeitungen

  • Aus Publikumszeitschriften (sog. Kioskzeitschriften) sowie Zeitungen dürfen ab 1.3.2018 keine Kopien mehr angefertigt und in die Fernleihe gegeben werden.
  • Aus Fachzeitschriften können nur Kopien einzelner Aufsätze, nicht aber eine bestimmte Heftnummer – insbesondere nicht aus dem laufenden Jahrgang – bestellt werden.
  • Es muss sicher gestellt sein, dass der Nutzer die Kopien nicht zu kommerziellen Zwecken nutzt!
  • Die Kopie darf nur als Papierkopie an den Leser weiter gegeben werden, auch dann, wenn die Bücherei selbst eine elektronische Lieferung erhalten hat. Aktuell laufen die Verhandlungen zur Vergütung mit der VG Wort. Erst nach Abschluss ist ein Direktversand an den Leser möglich.

Buchbestellungen und Aufsätze aus Büchern

Die Bücherei sollte erst prüfen, ob Titel die von den Benutzerinnen öfter verlangt werden und diese ggf. für den eigenen Bestand gekauft werden können oder in benachbarten Büchereien bzw. der Fachstelle vorhanden sind, bevor Anforderungen in den Leihverkehr gegeben werden.

Für die Literaturversorgung von Studentinnen ist in der Regel die Bibliothek der Studieneinrichtung zuständig.

Der Leser darf aus Monografien max. 10% als Kopie geliefert bekommen (bisher sah der Gesetzgeber "geringe Teile" bzw. bis max. 15% vor); es wird versucht, das ganze Buch auszuleihen.

Bestellung

Für die Bestellung sollten möglichst genaue Angaben erfragt werden, z.B. zum Zweck (Referat), zur Benutzerin (Schülerin 12. Klasse).
Bei der Bestellung über den Leihverkehr sind folgende Angaben erforderlich und in schriftlicher Form zu erfassen:

  • Zu- und Vorname des Verfassers
  • Titel des Buches
  • Erscheinungsort und -jahr
  • Auflage, wenn genau diese Auflage gewünscht ist
  • bei Zeitschriften: Titel der Zeitschrift, Bandnummer, Jahrgang, Verfasser und Titel des Aufsatzes, wenn möglich mit Seitenangaben.
  • Selbstauskunft des Lesers bei Kopienbestellung (s.o.), dass die Kopienlieferung nicht für kommerzielle Zwecke verwendet wird.

Es ist sinnvoll, eine Frist zu vermerken, bis wann die Leserin das Gewünschte nicht mehr benötigt, um unnötigen Versand zu vermeiden. Die bestellende Bücherei trägt die Portokosten für den Versand. Die Bibliothek kann diese Kosten auf die Leserin umlegen bzw. Gebühren für den Leihverkehrs-Service erheben (Regelung in der Gebührenordnung, s. Anh.  „Gebührenordnung – Muster“).

Die Anzahl der Fernleihbestellungen muss für die Jahresstatistik erhoben werden (s. Kap. 15 und 16 Statistik). Die Fernleihe hat sich seit vielen Jahren als ein effizientes System zur Beschaffung nicht am Ort vorhandener Literatur bewährt.

 

Diese Seite wurde aktualisiert von Sankt Michaelsbund, Landesverband Bayern e.V., Elisabeth Kreutzkam. - 01.03.2018