Bibliothekarische Titelaufnahme

Die Grundbegriffe und allgemeinen Regeln gelten für alle Büchereien, unabhängig davon, ob sie mit einer Bibliotheksverwaltungssoftware arbeiten oder nicht.
Im Folgenden werden die Unterschiede bei der Katalogisierung ohne und mit EDV-Unterstützung erläutert.
Auch wenn viele Tätigkeiten bei der Bibliotheksverwaltung mit EDV entfallen, verdeutlicht erst die Kenntnis dieser Regeln den Sinn mancher Arbeitsweise.

1.   Grundbegriffe und allgemeine Regeln

Katalogisierung

Für die ordnungsgemäße Führung der verschiedenen Kataloge (Alphabetischer Katalog, Systematischer Katalog) müssen die in der Bücherei vorhandenen Medien sachgerecht katalogisiert werden. Hierzu dienen die „Regeln für die Alphabetische Katalogisierung“ für Öffentliche Bibliotheken (RAK-ÖB) mit ihren Ergänzungen in den „Regeln für die Alphabetische Katalogisierung von Nicht-Buch-Medien“ (RAK- NBM), die allerdings für den Einsatz in Katholischen öffentlichen Büchereien an einigen Stellen gekürzt bzw. leicht abgeändert wurden, um den Verwaltungsaufwand nicht zu groß werden zu lassen.

Die zu katalogisierende Ausgabe eines Werkes bezeichnet man als Vorlage. Deren Titelseite besteht aus dem Sachtitel und der Verfasserangabe.

Als Sachtitel bezeichnet man die sachliche Benennung eines Werkes.

Als Verfasser gelten Personen, die das vorliegende Werk erarbeitet haben. Sonstige beteiligte Personen können z.B. Herausgeber und Illustratoren sein. Ein Einzelwerk ist ein in sich abgeschlossenes Werk.

Eine Sammlung beinhaltet mindestens 2 Werke von einem Verfasser.

Ein Sammelwerk enthält mehrere Einzelwerke von verschiedenen Verfassern in einem Band.

Die Katalogkarte besteht aus mindestens zwei Teilen:

1. bibliografische Beschreibung der Vorlage

2. notwendige Angaben für die Ordnung im Katalog (Haupteintragung, Nebeneintragung, Verweisung)

Titelaufnahme

Für die Titelaufnahme ist die Haupttitelseite der vorliegenden Ausgabe eines Werkes maßgebend (also nicht der Schutzumschlag oder der Rückentitel). Fehlende Angaben werden von anderen Fundstellen des Werkes ergänzt.

Titelaufnahme ohne EDV-Unterstützung:

Manche Werke müssen bzw. können im Alphabetischen Katalog an verschiedenen Stellen nachgewiesen werden. Man unterscheidet deshalb

•  Haupteintragung (vollständiger Nachweis für eine vorhandene Ausgabe eines Werkes)

•  Nebeneintragung (zusätzlicher Nachweis z.B. unter dem Namen weiterer Verfasser, Herausgeber, Illustratoren o.Ä.)

Für alle Haupt- und Nebeneintragungen eines Werkes innerhalb eines Kataloges (Haupt- und Nebeneintragungen) und für alle Katalogarten (Alphabetischer bzw. Systematischer Katalog) wird die Titelaufnahme entsprechend vervielfältigt.

Jede Ausgabe eines Werkes wird auf einer eigenen Karte verzeichnet, deren Rückseite nicht beschrieben wird.

Titelaufnahme mit EDV-Unterstützung:

Durch den Einsatz einer Bibliothekssoftware vereinfacht sich die Katalogisierung immens. In einer Abfragemaske werden die Angaben zum jeweiligen Titel eingegeben. Die Bearbeiterin muss lediglich die richtige Ansetzungszeile bestimmen. Alle anderen Arbeiten (Satz der „Katalogkarte“, Deskriptionszeichen, Sortierung, Nebeneintragungen) übernimmt das Programm automatisch.

Bei der Recherche im EDV-Katalog ist es gleichgültig, ob ein Werk als Verfasser- oder Sachtitelwerk angesetzt ist, die Suche nach Verfasser, Sachtitel oder Stichwort führt immer zum Ziel. Nebeneintragungen müssen deshalb nicht gesondert angelegt werden.

Ansetzungszeile

Wichtigster Bestandteil einer Haupteintragung ist die sogenannte Ansetzungszeile. Sie hat einen entscheidenden Einfluss auf den gesamten folgenden Arbeitsablauf in der Bücherei: Nur eine korrekt gebildete Ansetzungszeile führt zur richtigen Verzeichnung der Medien in den Katalogen. Außerdem kann nur mit einer richtigen Ansetzungszeile der für die Sortierung im Regal maßgebende Teil des Signaturetiketts gebildet werden.

Man unterscheidet zwei Arten der Ansetzungszeile (verkürzt auch „Ansetzung“):

•  Ansetzung unter einer Person in der Form „Name, Vorname“

•  Ansetzung unter dem Titel des Werkes.

Ansetzungszeile ohne EDV-Unterstützung:

Diese wird im Druckbild der Katalogkarte besonders hervorgehoben (fett oder unterstrichen). Die Wahl der richtigen Ansetzung hat auch Einfluss auf die gegebenenfalls zu bildenden Nebeneintragungen.

Ansetzungszeile mit EDV-Unterstützung:

In jeder Katalogisierungsmaske gibt es ein „Verfasser“-Feld. Wenn hier Eintragungen gemacht werden, geht das Programm davon aus, dass es sich um ein Verfasserwerk handelt, und zieht zur Ansetzung den hier eingegebenen Namen heran.

Bei Sachtitelwerken werden Textautor und Illustratoren in ein Feld namens „Be- teiligte Personen“ eingetragen. Das Verfasserfeld bleibt leer; somit ist für das Programm klar, dass der Sachtitel in die Ansetzungszeile geschrieben wird.

Festlegung der Haupt- und Nebeneintragungen

Anhand des nachfolgenden Schemas lässt sich ohne viel Aufwand klären, wie die Ansetzungszeile einer Titelaufnahme für ein Buch zu bilden ist und welche Haupt- und Nebeneintragungen für die Katalogisierung ohne EDV-Unterstützung zu bilden sind.

2.   Ansetzungsbeispiele

Grundschema für die Titelaufnahme

Ist die Entscheidung über die Ansetzungszeile erst einmal gefallen, läuft jede Titelaufnahme immer nach dem gleichen Schema ab. Anhand der Angaben auf der Titelseite bzw. an anderen Stellen wird das entsprechende Grundschema ausgefüllt. Lässt sich zu einzelnen Punkten des Schemas keine Angabe in der Vorlage finden (z.B. Zusätze zum Sachtitel oder zur Ausgabebezeichnung), entfällt diese Angabe auch auf der Katalogkarte bzw. in der Erfassungsmaske ersatzlos.

Ansetzung = Personenname
Ansetzung = Titel

Beispiel 1: Einverfasserwerk

Titelseite und Impressum Das Buch ist fest gebunden, umfasst 669 Seiten und enthält keine Illustrationen.

Preis: 24,90

Nebeneintragung:

Gemäß dem Schema „Festlegung der Haupt- und Nebeneintragungen“ sind für dieses Werk keine Nebeneintragungen erforderlich.

Titelaufnahme

Beispiel 2: Bilderbuch mit Textautor und Illustrator

Titelseite und Impressum

Das Buch ist fest gebunden, umfasst 14 Seiten ohne Seitenzahlen und enthält farbige Illustrationen.

Preis: 5,00

 

 

Nebeneintragungen:

Nach dem Schema „Festlegung der Haupt- und Nebeneintragungen“ sind für dieses Werk zwei Nebeneintragungen anzufertigen, jeweils eine für den Texter und den Illustrator. Es handelt sich in diesem Fall um sogenannte einteilige Nebeneintragungen, bei denen nur der Personenname in Ansetzungsform (gegebenenfalls mit Funktionsbezeichnung) der Titelaufnahme vorangestellt wird. Korrekt in den Alphabetischen Katalog einsortiert, führt die Nebeneintragung zum Sucherfolg, auch wenn nicht nach der Ansetzungszeile, sondern – wie in diesem Fall – nach einer beteiligten Person gesucht wird.

Titelaufnahme

Beispiel 3: Mehrverfasserwerk inklusive Mehrbändige begrenzte Werke

Mehrverfasserwerk

 

Titelseite und Impressum
Da
s Buch ist fest gebunden, umfasst 287 Seiten sowie 16 Seiten ohne Zählung, enthält Illustrationen – teilweise farbig – und Karten.

Preis: 20,00

 

 

Nebeneintragung:

Nach dem Schema „Festlegung der Haupt- und Nebeneintragungen“ ist für dieses Werk eine Nebeneintragung für den zweiten Verfasser anzufertigen. Hier handelt es sich um eine sogenannte zweiteilige Nebeneintragung, bei der neben dem Verfassernamen in Ansetzungsform auch der Titel des Werkes im Kopf mit angegeben wird. Dieses Vorgehen erleichtert die korrekte Einsortierung in den Alphabetischen Katalog.

Titelaufnahme

Beispiel 4: Mehrbändige begrenzte Werke

Bei mehrbändigen begrenzten Werken (Lexika, „Herr der Ringe“,…) werden zunächst die allen Bänden gemeinsamen Merkmale in die Titelbeschreibung aufgenommen, im Anschluss daran die nur für einen einzelnen Band zutreffenden Angaben.

Titelaufnahme

Beispiel 5: Tonträger

Haupteintragung anhand des Covers
1
4 CDs mit Beiheft

Preis: 29,95

Titelaufnahme

Andere Medienarten

Die Ansetzungszeile von allen sonstigen Medienarten besteht ohne Ausnahme aus dem Sachtitel.

Maximal drei beteiligte Personen (Autoren der Buchverlage, Darsteller,…) erhalten (bei der Katalogisierung ohne EDV-Unterstützung) eine Nebeneintragung.

Die Umfangsangabe umfasst Anzahl und Art der Trägermedien, welche noch durch die Spieldauer und ggf. durch medienspezifische Angaben ergänzt wird.

In der Fußnote können sonstige wichtige Angaben zum Titel gemacht werden, wie z.B. Systemvoraussetzungen bei CD-ROMs.

Beispiele für Umfangsangaben:

1 DVD (ca. 135 Min.) : Zeichentrick., farb., Widescreen, Dolby Digital

2 CD-ROM + Beih.

1 Spiel (Spielplan, 16 Spielfiguren, Spielanl.)

Beispiele für Fußnoten:

Orig.: USA 2012. Enth. außerdem: Making of (bei DVDs)

Systemvoraussetzungen: Windows XP (SP2), Windows Vista (SP1) oder Windows 7; XP P4-Prozessor mit 2,0 GHz oder gleichwertig, (Vista oder Windows 7) P4-Prozessor mit 2,4 GHz oder gleichwertig; (XP) 1 GB RAM, (Vista oder Windows 7) 1,5 GB RAM; Mindestens 3,5 GB freier Festplattenspeicher mit 11 GB zusätzlichen Speicherplatz für benutzerdefinierte Inhalte und gespeicherte Spiele; Grafikkarte mit

128 MB und Pixel Shader 2.0 Unterstützung.

Beispiel 6: DVD-Spielfilm


Angaben auf der Cover-Rückseite

Titelaufnahme

Beispiel 7: Spiel

Für ausführliche Informationen zur bibliothekarischen Titelaufnahme sind die „Regeln für die alphabetische Katalogisierung in öffentlichen Bibliotheken (RAK-ÖB)“ heranzuziehen.

Angaben auf der Spiel-Rückseite

Titelaufnahme

3.   Besonderheiten bei der Ansetzung

Besonderheiten bei Personennamen

Die „Regeln für die Alphabetische Katalogisierung“ kennen eine Fülle von Einzelbestimmungen für die Ansetzung von Personennamen. Zwei davon treten auch in Katholischen öffentlichen Büchereien sehr häufig auf und werden deshalb im Folgenden erläutert.

Präfixe in deutschen Familiennamen

Artikel (der, die, das) und Präpositionen (von, zu) zählen nicht zum Familiennamen und werden auch nicht in der Ansetzungszeile fett gedruckt bzw. unterstrichen. Beispiel: Hugo von Hofmannsthal wird angesetzt als Hofmannsthal, Hugo von.

Verwandtschaftsbezeichnungen

Besonders Namen aus dem angloamerikanischen Sprachbereich treten häufig mit Verwandtschaftsbezeichnungen auf, diese laute meist „Mc“, „M“ oder „Mac“. Zur Vereinheitlichung wird immer in der Ansetzungszeile die ausgeschriebene und direkt an den Namen herangezogene Variante „Mac“ angegeben, damit alle derartigen Namen an einer Stelle im Katalog verzeichnet sind.

Beispiel: Val McDermid wird angesetzt als MacDermid, Val.

Besonderheiten bei Nicht-Buch-Medien

Tonträger

Die Ansetzungszeile von E-Musiktonträgern besteht in der Regel aus dem Namen des Komponisten, bei U-Musik wird hierfür der Name des Interpreten bzw. der Gruppe herangezogen. Worttonträger werden grundsätzlich unter dem Titel angesetzt, einzige Ausnahme bilden hier Autorenlesungen, welche den Namen der Autorin als Ansetzungszeile erhalten. Als beteiligte Person bei Worttonträgern wird – soweit in der Vorlage genannt – jeweils eine Verfasserin, eine Sprecherin und eine Regisseurin angegeben.

Die Umfangsangabe umfasst Anzahl und Art der Trägermedien, welche noch durch die Spieldauer und ggf. durch Angaben zum Aufnahmeverfahren ergänzt werden.

4.   Abkürzungsverzeichnis – generell

Bei der Titelaufnahme kommen folgende Wörter häufiger vor. Sie werden wie folgt abgekürzt. Alle grammatikalisch verschiedenen Formen eines Wortes erhalten die gleiche Abkürzung (z.B. Herausgeber = Hrsg., herausgegeben = hrsg. oder Illustration, Illustrationen = Ill.). Die Abkürzung zusammengesetzter Wörter besteht aus den Abkürzungen ihrer Bestandteile (z.B. Originalausgabe = Orig.-Ausg.).

5.    Abkürzungsverzeichnis – Sprachbezeichnungen

Die einheitliche Bezeichnung wird für den Übersetzungsvermerk im Feld „Fußnote“ verwendet.